Meine Mutter träumt von ihrer Kindheit auf dem Bauernhof in Rohnstock
2.
Die Erinn'rung sponnt die Fliegel
über Berge, Täler, Hiegel,
und mit uffna Auga lußt mich treema
vo da Beema,
vo dam Haus und Hofe, wu ich glicklich woar,
wu die Schwolba groade zwitschern überm Fanster,
wenn eis Bett mir schien der erschte Sunnastroahl.
S'ies mersch glei, doaß ich erwache
wieder under Voaters Dache.
Aus a Auga reib ich mir a Schloof
hier a Voater ruffa durch a Hof:
Hermoan, mach a Bratwoan fertig,
doaßt mer nie die Zeit verlootscht,
breng die Sanse und is Ootscht,
hinga droa die Sämaschine
und dann ruffst mer die Pauline.
Doch Paulinla, wie der Wind
under a Bernboom, und geschwind
stuppt se Berna, ees, zwee, drei
flink noch ei a Schubsaak nei.
3.
Woars schien worm eim Monat Mai
do golt's glei
flink die Junga wach zu rütteln
wulda Meagatschker schütteln,
doaß an gude Purtion
wurde ei der Schulbank luusgeloon.
Woar die Sende dann zer Stelle
woarn fer olle Fälle
gutt die Hoosa ausgepulstert
und an zünftge Überbucke
goabs fer die nieschnitzje Hucke.
Sunntichs erscht, wie woar doas schien,
wenn mer kunda ei a Puusch no Springuuf giehn!
Und a schinnsta Blumastrauß
brucht mer Mutterlan eis Haus.
4.
Meine Sähnsucht, meine Nuut
is doas Bruut
vo derheeme, doas goab Kroaft
doas ma olle Oarbeet hoot mit Leichtigkeit geschofft.
Puckelkrumm de Furche nunder
nomol ruff, frisch ausgeschrieta,
wenn de duchst oas Vasperkerbla
mit da Fett- und Putterschnieta.
Und voo woas woar denn su gruß und stoark mei Nupper?
Weil a schunt als kleenes Kind hott' gekeutes Bruut eim Frupper.
5.
Ja, war kannte weit und breet
domols Arbeitslusigkeet?
Mit a Loatscha ei derr Hand
sein mer boarbs auffs Feld gerannt.
Wenn die grußa Ferien koama,
braucht mer goarnie erscht simmliern
ob oam Meer, ob's ei a Berga wärsch om schinnsta imzuschaun:
Voater soate: O ihr Racker,
uff'm Acker
macht euch o die Sunne braun.
6.
Toat mer dann, su gutt mersch bruchta
inse Pflicht und Schuldigkeet,
kriegt mer dann a neues Kleed.
Und mit'm Plauaschmetter, wie is Dunnerwetter
gings ei langer Reih
Woan oa Woan uff a Moarkt no'm Stadtla nei.
Äppel, Berna, Eer, Putter,
mittadrinna soaß die Mutter,
hielt die Konne mit'm Soafte.
Im a Hoals hing ihr is Taschla, wu se dann is Geld nei roffte.
7.
Und der Voater froit die Mutter:
Huste o die ale Grooe fer a Kurn nich vergassa?
Denn beim nächsta Wellfleschassa
muß a gudes Tröppla sein,
doaß doas Schwein
nich zu lang eim Maga liegt
und ma nich a Durchfoll kriegt.
8.
Domols woar no an andre Welt
wu noch woar stabil is Geld.
Goabs o fer ins griena Dinger
glei kenn Sechser ei die Finger,
woas's do wull Wunder noahm,
wenn moal die Versuchung koam:
Mutter schickt mich ei a Load'n,
Madel, soat se, tu druf hiern,
ich brauch an Toop fer Preuselbiern;
goab mer druf fimf Biehma mitte.
Doch es ging ju eizurichta,
doaß no langt fer'n Wundertitte.
Wundern mußt' sich dann die Mutter:
Vum Bunzeltuppe braun und scheen
brucht ich bluus a Henkel heem.
9.
Wie's o woar su mit ins Ranga,
drieber is die Zeit verganga.
Ob ich noatsche oder lache
‚s ändert goarnischt oa der Sache,
doaß se ins hoan nausgetrieba.
Dogeblieba
werrn mer lieber, tausendmoal.
Aus der Heemte, aus'm Glicke
trieb ins furt doas Mißgeschicke,
trieb ins hie ei fremde Goassa,
mei Vertand dar wiel's nie foassa.
10.
‚S sein schunt mehr wie zwanzig Joahre.*
Groe Hoare
hoot schunt moancher jitzt gekriegt.
Moncher, dam es Herz gebrocha,
heut schunt underm Roasa liegt.
Sull'n o mir's nich mehr derlaba.
doch die Huffnung, die bleibt stiehn.
Emoal werd's der Herrgott wenda,
ei senn Hända
leit die Macht.
Insa Kindern Tag und Nacht
wulln mer's uff die Seele binda,
doaß se o zurechte finda,
wenn's werd wieder heemwärts giehn.
* Das Gedicht wurde etwa 1970 von Minna Pfeiffer geschrieben
Ihr Briederla Jörgla dar sitzt uf em Steene,
ar hält ei a Hända an soalweidna Stoab,
ar schnitzelt und stochert und kloppt uf'm Beene,
zu guderletzt streeft ar a Fiepla sich oab.
Su emsig sein beede, do nimmt's mich ock wunder,
doaß se uf woas andersch no Achtung kinn gaan,
denn wie der Herr Pforr kimmt eim Kerchsteige runder,
do tun se'n zum grißta Gliecke noch sahn,
Doas Jörgla ies tumm noch, drim ruft'n die Schwaster:
"Stieh uuf Jörgla, gieh uf a Paster hibsch zu,
gib's Händla, und sprich: Guda Morgen, Herr Paster!
- erscht wisch der de Noase, du Rutzlöffel du!"
(hier fehlt leider ein Vers! Jörgla sagt dann zum Herrn Paster:
"Guda Morgen, Herr Paster!
- erscht wisch der de Noase, du Rutzlöffel du!")
Der Paster werd stutzig, woas doas ock sull heeßa,
ar grefft oa de Noase, die leeft ihm doch nee!
A bißla, do sinnt ar, dernooch froit ar Thresa,
wie Jörgla denn käm uf an sulche Idee?
"O jekersch, Herr Paster, o haln Se's zugutte
dam tälscha Kerl, doaß ar su zu ihn'n spricht,
denn wenn's de Mutter hiert, krigt ar de Rutte,
mit Kindern is halt nischt ausgericht".
Stand: 24.4.2010